In 50 Stunden um die halbe welt und zurück :)
Posted by rekless | Filed under Allgemein
Ich habe im Flugzeug nach Tbilissi, wo ich mich jetzt auch gerade befinde. Aus lauter “Was mach ich mit der Zeit”-Modus die folgende Kurzgeschichte geschrieben. Wenn sie gefällt freut es mich, aber ansonsten weiß ich sehr wohl, dass ich kein Schriftsteller bin
Aber ich muss zugeben es ist ein seeehr angenehmer Zeitvertreib wenn man irgendetwas verarbeiten will oder eben eine sinnvolle Beschäftigung sucht.
Viel Spass
Reisetagebuch:

Alles fängt irgendwo an. Jede Grippe mit einem Kitzeln in der Nase, jedes Darmproblem mit einem ersten üblen Pups und jede Reise mit dem ersten Schritt. Der erste Schritt meiner Reise war der stolze Schritt ins fast grad erst gekaufte Auto und nach diesem ersten Schritt wollt ich schon gar nicht mehr weg. Lieber einfach mit meiner Frau rumfahren und das beste Hörbuch der Welt “Fleisch ist mein Gemüse” anhören. Aber die Fahrt ging zum Flughafen und die Reise geht nach Tblissi , Georgien. Ein schönes Land und eine sehr hübsche Stadt die ich im Jahr 2010 schon einmal besuchen durfte. Auch wenn die meisten Kumpels zur Geographischen Lage von Georgien ausser einem “Des ist doch da hinten gell. Da ganz hinten” nicht viel zu sagen hatten. Egal, alle wünschten eine gute Reise und das freut mich weil es einem einen Grund gibt wiederzukommen. Man stelle sich vor man sagt: „Ja ich bin dann jetzt mal weg und flieg ein paar tausend Kilometer weit weg.“, und als Antwort bekommt man ein : „Tschüss !“ oder ein „Ohkehtschau!“.
Wurscht, weil is ja nich so.
Flughafen Terminal 2.
Sehr aufgeräumt und nicht groß überlaufen um diese Zeit. Die letzten Flüge vorm Nachtflugverbot werden abgefertigt.
Abgesetzt, Bussi Bussi, und bis gleich. Ein halbes Kippen-Intermezzo und weiter. Passkontrolle. Unbeholfen zeige ich meine elektronische Bordkarte, die auf meinem Telefon gespeichert ist. Abflug von Gate H 46. Ganz weit hinten. Passt irgendwie. Ich Lauf also an mehreren Raucherloungen vorbei. (Ist die Mehrzahl von Lounge eigentlich Loungen? Oder Lounges wohl eher letzteres.) Aber egal wie man es schreibt denn die Realität der Raucherkabine an sich hat wohl wirklich nichts mit dem gemein was ich als Lounge bezeichnen würde. Ich denke an Polster, chillige Mucke und gemütliches Ambiente. Der Duft von Weed oder Shisha Tabak könnte in der Luft liegen, muss aber nicht. Na ja und diese Rauchervierecke, in denen sich auf fünf Quadratmeter sieben Raucher drängeln wirken sich letztlich positiv auf meinen Zigarettenkonsum aus. Ich beschliesse erstmal nicht zu Rauchen.
Warten, kacken, einsteigen, bissl Bammel vorm Take Off.
So Sitz ich an meinem Platz als sich das Flugzeug langsam füllt. Als ein recht dicker Glatzkopf in Lederjacke das Flugzeug betritt und sich durch den Mittelgang kämpft weiß ich instinktiv dass es mein Sitznachbar sein wird. Ich bin in solchen Situationen tatsächlich mit einer fast hellseherischen Fähigkeit ausgestattet und Grüße freundlich als sich der Herr neben mich setzt. Circa eine Minute nachdem ich ihn gedanklich als nett eingestuft habe beginnt er eine Konversation.
In gebrochenem englisch fragt er ob ich auch nach Tiflis Fliege. Ich schmunzele und bejahe während ich mich frage ob der Flieger noch irgendwoanders landet um Leute aufzupicken oder abzusetzen. Er hebt die Hand zum High Five für das gleiche Reiseziel. Während ich noch über die Situation grübele und unweigerlich an Todd den Chirurgen im speziellen und inflationäres high fiven im Allgemeinen denken muss, fragt mich mein Nachbar nach meinem Handy.
Er deutet auf mein Telefon.
„One Minute?“
„One Minute To georgia?“ frage ich nach.
„Yes One“wird mir geantwortet.
Da die Welt wieder Sinn macht, ich das High fiven und die Frage nach dem Reiseziel als Ouvertüre für die Handyfrage einordne, reiche ich ihm bereitwillig das Telefon und freue mich, dass alles normal ist.
Die gespielte Freundlichkeit der Stewardessen ist bis auf eine Ausnahme vorbildlich. Einer blonden Flugbegleiterin entgleiten in Unregelmäßigen Abständen die Gesichtszüge. Ich hätte auch keinen Bock drauf. Nachtflug. Viele wollen Bier, bestellen gleich zwei und werden das feine Hopfengebräu nach ein paar Stunden im Halbschlaf wieder gasförmig ausstoßen. Und sie, die arme Frau Stewardess muss da dann durchlaufen. Ihre Kollegen lassen sich nichts anmerken. Als das Licht ausgeht, die Überreste der Speisen eingesammelt sind merke auch ich die Veränderung der Kabinenluft. Egal, das sollte dafür sorgen dass auch ich schnell eindöse.
Mein Nachbar kämpft sehr mit der Langeweile und fragt mich alle halbe Stunde wie lange wir noch fliegen. Ich rechne freundlich immer wieder die gleiche Rechnung vor.
„Drei Stunden insgesamt, jetzt eine unterwegs, bleiben noch zwei.“
Das geht jetzt schon eine Zeit lang und ich kann mir nicht helfen es lustig zu finden. Schlafen werd ich sicher nicht können, denke ich und stelle just in diesem Moment fest, dass ich mein Nackenkissen vergessen hab. Das Spießigste Vielfliegerutensil nach der eigenen Nachtaugenmaske. (Wie heißen denn die Teile? Schlafmasken?Egal). Ich hab eh nichts dabei außer meinen Laptop, meine Auflegeutensilien und ein paar Klamotten. Ich versuche nachzudenken was es noch sinnvolles zu tun gäbe, komme aber auf nichts und werde durch die dünner werdende Pupsgeschwängerte Kabinenluft auch immer schläfriger. Schlafen erscheint sinnvoll. Gute Nacht.


